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Drecksmutter Teil 2

Mein neuer Vermieter und edler Wohnungsspender hieß Hans. Der Hans im Glück war er jedoch nicht unbedingt. Bei Kaffee und Kuchen zur Einweihungsfeier und Willkommensparty erzählte er mir aus einem Leben, das nicht viel besser als mein eigenes war. Hans klagte mir sein unendliches Leid und er tat es mit Tränen in den runzligen, faltigen Augen. Unvoreingenommen schenkte ich seinen Schicksalsschlägen absoluten Glauben, warum auch hätte er mich belügen sollen? Doch wenn ich bis dato geglaubt hatte, beschissener als meine Lebensumstände könnte kein anderes Dasein sein, so schoss Hans mit seinen Geschichten eindeutig den Vogel ab. Er war wohl so etwas wie der Pechvogel vom Dienst. Die erste Frau, die er wohl sehr geliebt haben musste, denn er sprach in höchsten Tönen mit Engelszungen von ihr, starb ihm unter dem Hintern weg. Während er erzählte und mit leuchtend strahlenden Augen von den charakterlich einzigartigen Eigenschaften einer Hausfrau und Mutter nahezu ins Schwärmen geriet, kam mir die geniale Idee, Hans mit meiner Mutter zu verkuppeln. Dann hätte auch sie endlich einmal die Worte Respekt, Anerkennung und Lob kennengelernt.

 

„Und wenn sie Kuchen gebacken hat, Angelika, der war so unbeschreiblich lecker, da hätte ich mich reinsetzen können. Jeden Sonntag bestückte sie den Backofen. Randvoll gefüllt die Bleche mit dem Pflaumen oder Erdbeerkuchen, vom Allerfeinsten. Und Marmelade konnte sie einkochen, ganz wunderbar. Du hättest dir die Finger nach ihrem selbstgemachten Gelee geleckt, das sag ich dir aber.“

 

„Was ist mit ihr geschehen?“, fragte ich interessiert.

„Krebs! Der Bastard ließ sie qualvoll dahinsiechen. Nichtsahnend kam ich eines Tages von der Arbeit nach Hause und dann war es passiert. Ich fand sie leblos im Flur. Meine geliebte Anne, mit verdrehten, entsetzlich weit aufgerissenen Augen und einem leeren Blick in ihrem einst so hübschen Gesicht, lag sie da und starrte aus ihren dunklen Pupillen an die hellgestrichene Decke. Ich dachte, sie sei tot, doch ihr Herz, das schlug noch. Sie blutete ganz entsetzlich aus dem Unterleib. Der Teppichboden war von ihrem Blut bereits durchweicht und hinüber. Das Unterhöschen blutgetränkt. Zwischen ihren Schenkeln kam es immer wieder zu stärkeren Blutungen, die ich in der ersten Hilfe mit eigenen Angstzuständen, meine geliebte Frau zu verlieren, hastig zu stoppen versuchte. Leinentücher presste ich gegen ihre Vagina. Schwallartig schoss der Lebenssaft aus den untersten ihrer Körperöffnungen ohne dass ich es verhindern konnte. Ich wusste mir erst gar nicht zu helfen. Ich dachte, sie wäre vergewaltigt oder überfallen worden. Später im Krankenhaus gab es dann die schreckliche Diagnose: Gebärmutterhalskrebs. Nichts mehr zu machen, die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Überall Metastasen, hieß es. Im ganzen Körper tobte die Verwesung und das multiple Organversagen drohte meiner Anne zeitnah. Ich pflegte sie noch so gut ich konnte, hing sogar ihretwegen meine Arbeit an den Nagel, nur um Tag und Nacht für die Liebe meines Lebens da zu sein. Ich saß an ihrem Bett und hielt ihre Hand, doch diese heimtückische Krankheit war stärker als ich es jemals sein könnte. Ich musste sie schließlich in fremde Hände des geschulten Personals eines Hospizes geben. Beim besten Willen hätte ich mich um die aufwendige Pflege nicht länger kümmern können. Es brach mir das Herz sie leiden zu sehen und gleichzeitig zu wissen, nichts mehr für sie tun zu können“, jammerte Hans. Er tat mir leid. Das, was er erzählte, berührte mich und mein Herz erreichte kaum noch jemand. Es war die liebevolle Art, mit der Hans übe seine Frau sprach. Er musste sie wirklich sehr geliebt haben.

 

„Anne war erst Anfang vierzig. Kein Alter zum Sterben. Du kannst übrigens das Zimmer von Eva bewohnen.“ Hans zeigte mir die Räumlichkeiten seiner Tochter, die angeblich seit mehreren Jahren im Ausland lebte. „Irgendwo in Australien tingelt sie rum. Bei den Kängurus und Koala Bären.“ Hans lachte bitter. „Wir haben keinen Kontakt. Sie gab mir die Schuld am Tod ihrer Mutter. Soll mir wegbleiben, das undankbare Weib.“

 

„Danke für das Zimmer!“, sagte ich anerkennend. Flüchtig sah ich mich um. Tadellos aufgeräumt alles. Das Bett frisch bezogen und die Wäsche akkurat zusammengelegt. Nichts lag herum oder im Weg. Sogar die Buntstifte auf dem Schreibtisch steckten in der dafür vorgesehenen Vorrichtung. So hatten während meiner Kindheit die Zimmer von Dirk und mir nur ausgesehen, wenn unsere Mutter darin für Ordnung sorgte, weil von uns niemand mehr ein Bein an die Erde setzen konnte. „Es ist ganz wunderbar hier“, sagte ich anerkennend. Hans nickte zufrieden. „Aber sag mir, was muss ich tun? Ich meine, niemand lässt jemanden umsonst in solch einem herrlichen Zimmer wohnen.“ „Oh, darüber reden wir morgen.“ Hans tat so, als sei es nicht wichtig, über die Modalitäten eines Deals zu verhandeln. Irgendwie, in gewisser Weise hatten wir ja einen abgeschlossen.

„Ich wünschte, meine Mutter wäre jetzt hier. Hier ist ein so friedlicher Ort. Es würde ihr gefallen. Mit meinem Vater herrscht nur Krieg. Er ist undankbar und das Arschloch der Nation. Angeblich ist er krank. Das geschieht ihm recht. Ich habe kein Mitleid mit ihm. Verrecken soll er! Elendig! Meine Mutter jammert ihm jetzt schon nach und das, obwohl er sie jahrelang schlecht behandelt hat. Er hat sie geschlagen, gedemütigt und auf perfide Art ihre Seele gefoltert. Mein Bruder Dirk und ich, wir haben als kleine Kinder alles mitbekommen. Wir mussten mit ansehen, wenn unsere Mutter mal wieder mit dem Kopf gegen die Schrankwand oder die Tischbeinkante schlug. Wobei wir von unserem Alten selbst misshandelt wurden. Sogar vor seinen eigenen Kindern hat er keinen Halt gemacht. Mit mir haben diese Erlebnisse etwas gemacht. Etwas ganz Schreckliches. Oftmals fühle ich mich gefühlsleer, wie tot. Ich kann es nicht beschreiben, außer, dass ich nichts empfinde, wenn ich traurig bin oder von schrecklichen Dingen, die um mich herum geschehen, berührt sein müsste. Ich glaube, es ist wie Sterben. Man stirbt innerlich.“ „Ja, mag sein“, lächelte Hans. Im Regal standen mehrere eingerahmte Fotos. Eines davon nahm er in seine Hand und strich mit dem Finger nachdenklich über das Glas. „Ich habe alles verloren was ich geliebt habe. Wir sitzen da wohl im gleichen Boot, Angelika.“

Ich fühlte mich müde und erschöpft. Die Ereignisse der vergangenen Tage hatten Spuren hinterlassen. Ich hörte nur noch mit einem halben Ohr hin, worüber mein Gastgeber lamentierte. Die Müdigkeit überfiel mich wie ein gewittriger Hurrikane, unter dem ich keine Chance mehr hatte, meine Augen geöffnet zu halten.

Hans merkte nichts von meiner Apathie. Munter erzählte er vom ersten Liebeskummer seiner Tochter, von den Kotz und Brechattacken seiner Frau, kurz bevor sie von daheim ins Hospiz wechselte und von Nero, seinem geliebten Hund, dessen vorzeitiger Tod mit nur vier Jahren den tierärztlichen Diagnosestempel „Vergiftung“, trug. „Das waren die Nachbarn. Die mochten mich noch nie leiden und die haben dem Nero das Giftzeugs gefüttert.“ „Dazu gehören immer zwei, wenn es Streit gibt und die Sympathie nicht passt“, gähnte ich. „Mag sein, aber weißt du Angelika, die haben alle ihr Fett wegbekommen. Wer sich an Tieren vergreift ... Karma fickt sie alle.“ Hans murmelte noch einige unverständliche Worte und gab merkwürdige Laute von sich, während ich mich hundemüde in die Matratze warf und binnen weniger Sekunden eingeschlafen sein musste. Schlagartig herrschten Dunkelheit und tonlose Stille. Als ich wieder zu mir kam, saß Hans an meinem Bett. Er war mir so nahe, dass ich seinen Atem hören konnte und die widerlichen Ausdünstungen, die seinem sabbernden Schlund entwichen, auf meinen Schleimhäuten schmeckte. Das abtrünnige Bild des Mannes und der süßlich saure Geruch des Alkohols, der mich plötzlich umwehte, erschreckten mich. „Wie lange habe ich geschlafen?“, Mir war, als hätte ich mehrere Wochen lang im Tiefschlaf oder Koma gelegen.

„Nun, du hast fast einen Tag deines Lebens nur mit Schlafen verbracht. Verschenkte Zeit.“ Verschwommen Blickes glaubte ich, Hans sei nackt. Ich musste wohl geträumt haben. „Ich habe geträumt, du bist nackt“, sabbelte ich benommen. „Bin ich ja auch!“, grinste er. Verstört rieb ich meine Augen. „Ja aber nur in meinem Traum. Gleich wache ich auf und dann trägst du einen Jogginganzug oder deine Jeanshose.“ „Das hier ist kein Traum, Angelika. Das ist die bittere Realität. Ein erstklassiger Schwanz zum Anfassen und Vögeln, der sollte nicht in einer zweitklassigen Jogginghose vergammeln.“ „So einer bist du also“, sagte ich enttäuscht. Verschlafen wälzte ich mich auf die andere Seite. Ich hatte jetzt weder die Nerven, mir Hans seinen Penis anzusehen, noch mit ihm diskutieren zu wollen, wohin dieser gehörte. Da saß der schräge Typ, der mir seine Wohnung angeboten hatte, splitterfasernackt am Gästebett und wartete auf… Ja, worauf wartete er eigentlich? „Du könntest mal Hand anlegen oder mit dem Mund drangehen.“ Hans streichelte über sein bestes Stück. Sein aufreizender Augenaufschlag untermalte alles, was in seinem kranken Hirn vor sich ging.

„Ja nee ist klar. Ich könnte wohl am besten gleich wieder ausziehen“, seufzte ich. Ich hätte es wissen müssen. Im Leben drehte es sich wirklich nur um das Eine. „Du hast sie doch nicht mehr alle. Nimmst mich in deiner Wohnung auf und glaubst, ich sei deine Privathure, dein Sextoy oder was spielst du hier mit mir?“ „Jetzt beruhige dich wieder!“ Hans legte drohend den Zeigefinger an seine Lippen. „Ja, damit die Nachbarn nicht hören, was ich dir zu sagen habe!“ Ich kannte diese miesen Geschichten doch alle. „Weißt du, nachher packe ich meine Sachen und gehe. Bevor ich mich hier häuslich niederlasse und es mir zu gefallen beginnt, in einem kuscheligen, warmen Bett zu schlafen und mich an einem gut gefüllten Kühlschrank zu bedienen, die Dusche benutzen zu dürfen, wann immer mir danach ist, ziehe ich lieber die Reißleine, noch bevor ich die Segel gehisst habe. Ich meine, ich bin seit ein paar Stunden erst hier und du lässt schon die Sau raus. Hättest du mir gleich gesagt, wie der Hase hoppelt, wäre ich erst gar nicht mitgekommen. Die anderen aus meiner Clique haben mich gewarnt, sie sagten, geh nicht mit dem Wichser nach Hause, Angelika, aber ich wollte nicht hören.“ „Okay, es tut mir leid. Ich bin eben auch nur ein Mann und ich werde geil, wenn ich hübschen Frauen wie dir beim Schlafen zusehe.“ „Jetzt sag mir nicht, du hast dir einen runtergeholt, während ich gepennt habe!“ Schlagartig war ich hellwach. „Doch, das habe ich. Ist das jetzt sehr schlimm für dich?“ Hans stieg die Schamesröte ins Gesicht. „Schlimm? Das ist widerlich und an Abartigkeit höchsten Grades nicht zu übertreffen! Und dann hast du auf die Bettdecke abgespritzt oder was zur Hölle hast du getan?“

„Nein.“

„Wohin dann, verdammt?“

„Nicht schimpfen bitte, wenn ich es dir sage.“

„Jetzt sag schon du elendiger Hurensohn, verdammt.“

„Auf deine Brüste!“ Hans grinste spitzbubenhaft.

„Das kann nicht sein. Ich trage ein Shirt.“ Entsetzt blickte ich den Typen an, der sie wohl wirklich nicht mehr alle auf der Zaunlatte hatte.

„Das habe ich hochgeschoben“, sagte er süffisant. Entsetzt griff ich mit meiner Hand an meinen Busen und fasste direkt in die schlüpfrig nasse Masse ekelhaften Glibbers namens Sperma. Ich brauchte nicht einmal mehr bis drei zu zählen, um auszuholen und Hans eine kräftige Backpfeife zu verpassen. Die hatte gesessen. Verstört hielt er sich die schmerzende, unrasierte Wange. „Was zum Teufel ist in dich gefahren, Mädchen?“, brüllte er. „Mach das nie wieder“, sagte ich in ruhigem Ton und hangelte nach meiner Jeans, die unter dem Bett lag. „Ich denke, ich schlafe die nächsten Nächte lieber wieder in der Abrisshalle, unter der Brücke oder in einer der Einkaufspassagen, als dass ich mich von einem notgeilen Spinner wie dir, sexuell nötigen und begrabschen lassen muss.“

„Aber es war doch nicht so gemeint. Bitte Angelika, geh nicht. Immer werde ich allein gelassen. Jeder verschwindet. Das tut weh. Ich ertrage diese Einsamkeit nicht mehr.“

„Wenn du Gesellschaft brauchst, geh zum Stammtisch, zum Skatspielen, in den Puff oder was weiß ich wohin“, nörgelte ich. Mit Schrecken dachte ich daran, auf die Straße zurückzukehren. „Wenn du bei mir bleibst, garantiere ich dir, dass ich dich in Ruhe lasse. Ich möchte nur, weißt du, es wäre schön, wenn…“ „Ach komm, hör doch auf zu Lügen. Kerle wie dich, die kenne ich zur Genüge.“ „Du hast mein Ehrenwort, Mädchen!“ Hans hob zwei Finger und legte sie zum Schwur an seine Brust. Eine kleine innere Stimme schrie mich an: „Auf der Straße wirst du vor die Hunde gehen, Angelika. Gib ihm diese Chance. Du brauchst ihn. Denk an deine Kinder.“ „Gut, versuchen wir es noch eine Nacht“, seufzte ich. „Danke! Du wirst es nicht bereuen. Ich hole mir die Nutten von der Straße. Die sind zwar nicht so schön wie du, aber sie reiten meinen Schwanz ganz ordentlich. Wenn es dir nichts ausmacht.“ „Warum sollte es mir was ausmachen? Du kannst tun und lassen was du willst. Es ist deine Wohnung. Und wenn du hier eine Sex Orgie oder Schwulenparty veranstaltest.“

 

„Vielleicht könntest du mir aber einen Gefallen tun. Ich meine, dafür, dass du hier umsonst wohnst, eine kleine Gegenleistung erbringen.“ Ich hätte mir denken können, dass die Sache einen Haken hatte. „Ich sagte dir, dass wir über die Modalitäten sprechen müssen. Allerdings werde ich dich zum Dank, dass ich hierbleiben darf, weder Vögeln noch Bumsen. Die Fantasie kannst du dir abschminken. Also, wie lauten deine Bedingungen?“ Demonstrativ überkreuzte ich die Arme vor meiner Brust. Dem Typen wäre ich alle Male gewachsen. Mit meinen Tricks und Kniffen aus der Selbstverteidigung hätte ich im Handumdrehen aus seinen Eiern Spiegeleier und aus seiner hässlichen Visage einen Fall für den Schönheitschirurgen zimmern können. Er war zwar irre, aber Angst, die hatte ich vor ihm keine. Ein in meinen Augen harmloser Triebtäter, der nicht aus Lust an der Gewalt durch die Lande zog, sondern einer, der seine Triebe nicht im Griff hatte, aber sofort den Schwanz einzog, sobald sich jemand seinen Regeln widersetzte. Mit dem Schwachkopf würde ich schon fertig werden. „Wenn du deine Tage hast, benutzt du Tampons oder Binden?“ „Wird das jetzt ein Ratequizz oder was? Ich benutze Tampons.“  Mir reichte es bald. Innerlich brodelte es. Der Typ trieb meine Geduld an die letzte Faser meiner Gelassenheit. Hans schien über die Antwort der Tampons erleichtert zu sein. „Dann wirf sie bitte nicht weg. Lege sie stattdessen in das Tütchen.“ „In welches Tütchen? In das mit Drogen etwa?“ Jetzt hatte mir der Penner sogar noch einen kleinen Lacher abgewonnen. „In das, welches ich dir gebe.“ „Aber warum?“ Ich wusste ehrlich nicht, worauf Hans hinauswollte. „Ich befriedige mich an ihnen.“ „Du lutscht sie oder was?“, fragte ich sarkastisch. In mir zog sich aus Ekel alles zusammen. Gänsepelle rutschte mir längs über den Buckel. „Ja auch. Ich möchte da jetzt nicht unbedingt drüber reden. Also, wann bekommst du deine Periode?“ Hans sprach forsch. Fast im Befehlston. „Ich habe sie gerade“, seufzte ich. Sein dunkler Gesichtsausdruck, der bis eben noch schmerzhaft und benommen dank der Wangenschelle durch das Zimmer irrte, lichtete sich schlagartig. „Oh wie wunderbar. Wirst du mir den Tampon überlassen?“ Vom Schreibtisch nahm er ein kleines Tütchen und reichte es mir. Nicht viel größer als jene Beutel, in welche man Koks verpackte. Ich nickte. Ja, für ein Bett, eine warme Dusche und regelmäßige Mahlzeiten würde ich ihm meine blutigen Tampons überlassen. Das Tütchen mit meinen Gebärmutterhinterlassenschaften darin, den ich im Badezimmer aus meiner Vagina gezogen und angewidert verpackt hatte, hielt er wenig später in den Händen wie ein kleiner Junge, der soeben sein Weihnachtsgeschenk erhalten hatte. Die langersehnte Eisenbahn oder das Modellauto. Mit lusthungrigen Augen begutachtete er seine Beute. Das Tütchen drehte er mehrere Male vor seinen aus Freude glänzenden Augen. An dem blutigen Tampon hafteten dickere rote Stückchen abgestorbener Hautfetzen aus meinen Innereien. Wenn er diese essen wollte, guten Hunger! Es war mir ein Bedürfnis, Hans beim Geschenkeauspacken heimlich zu beobachten. Ich wollte mir nicht vorstellen, dass es wahrhaftig solche perversen Typen gab, die den Hals nicht vollkriegten. Die Tür zum Schlafzimmer hatte er unbewusst einen winzigen Spalt breit offengelassen. Neugierig späte ich hindurch. Den Tampon hielt er wie ein Feuerschwert an seinen Schlund und ließ ihn am Bändchen in die Tiefen seines Rachens gleiten. Mit den Lippen umschloss er den Wattebausch und gab schmatzende Geräusche von sich. Das Blut sog er mit Gier aus dem vollgesogenen Tampon. Ich sah die angestrengte Arbeit seiner eingefallenen Wangenknochen. Mir kam es hoch. Ich war in der Tat bei einem Irren gelandet. Wollte ich das tatsächlich in Kauf nehmen, mir täglich irgendwelche Schweinereien und Perversitäten reinzuziehen? Bei den blutigen Tampons würde es sicherlich nicht bleiben. Hans würde noch andere ekelhafte und widrige Dinge von mir fordern. „Denk an deine Kinder, Angelika. Du tust es für sie. Du musst dir ein neues Leben aufbauen, auch wenn du bis dahin durch die Hölle gehst.“ Mein innerer Monk machte sich lustig über mich und die perfide Situation in der ich steckte, die wuchs mir allmählich über den Kopf. Ich brauchte dringend einen Job und für den bräuchte ich eine Wohnung, in der ich mich wenigstens duschen und täglich frische Kleidung überziehen könnte. Ich haderte mit mir. Der Sozialarbeiter würde mir eine Unterkunft besorgen, das hatte er gesagt. Ich wollte aber nicht, dass jeder Hinz und Kunz wusste, wo ich unterkomme. Ich saß wie so oft in der Zwickmühle.