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Cannibal Hooker

„Ich gehe fernsehen“, sagte Travor und wandte sich von Isabell ab, die mit zugehaltener Nase den Abzug der Spülung betätigte. Ihre Hinterlassenschaften stanken erbärmlich. Das musste an dem Hundefutter liegen. „Ich könnte versuchen abzuhauen“, sagte sie und warf einen Blick in den Flur des Farmhauses. Travor hatte sich in einem der anderen Zimmer auf einer ledernen Couch niedergelassen, die Füße auf den mit Konservendosen, leeren Zigarettenschachteln und ausgesoffenen Bierdosen auf den Tisch gelegt und tatsächlich den Flimmerkasten eingeschaltet, in dem irgendeine Comedyserie lief. „Ich könnte dir türmen gehen“, setzte sie einen nach. Es sollte nicht so aussehen, als hätte sie Travor nicht gewarnt. „Ich verstehe dich nicht“, rief er. „Ich könnte verschwinden“, schrie Isabell. „Mich verpissen“, brüllte sie. „Versuch es doch, Schlampe“, antwortete Travor gleichgültig. Plötzlich hielt er einen Revolver in der Hand und feuerte aus diesem senkrechthaltend über seinem Kopf eine Kugel aus dem Lauf der Pistole direkt in die mit Eichenholzbalken gestützte Decke. Der Putz schleuderte nur so aus dem Loch der Wand, welches der Einschlag hinterlassen hatte und rieselte ihm als weißer Schnee in sein dunkles Haar. Isabell war in Deckung gegangen und sie hielt sich die Ohren zu. „Asche über mein Haupt. Ich muss mit Gott sprechen. Wir sind verabredet. Gestern habe ich ihn schon sitzenlassen. Da war ich verhindert. Musste mal wieder wichsen. Ich hoffe, er ist gnädig und verzeiht mir trotzdem. Einen Mord werde ich ihm nicht so leicht beichten können“, brabbelte er und Isabell verstand nur Bahnhof. Was sie allerdings verstanden hatte, Travor würde sie womöglich erschießen, wenn sie zur Tür liefe. Schnaufend schlich zu dem Zimmer in dem Travor mit dem Rücken zu ihr in der Couch saß und auf die Mattscheibe starrte. „Kennst du das?“ „Die Sendung? Nein“, antwortete Isabell und setzte sich zu ihm. „Ist gut. Witzig halt. Aus dem Leben gegriffen. Ich mag das.“ Travor setzte eine der Bierdosen an seine Kehle. Genau zwei Schluck gab die Blechbüxe noch her. „Bäh“, schüttelte er sich. „Nicht mal vernünftiges Bier haben die Jungs hier. Ich meine, wenn ich den Führerschein hätte, ich würde meinen Arsch in den Jeep schwingen und zum Jefferson an die Tankstelle fahren. Dort erst mal einen Kasten Bier ordern.“ „Hast du jemals an Familie gedacht?“ Isabell griff in eine bereits aufgerissene Chipstüte. Sie hatte damit gerechnet, dass die Kartoffeln ranzig und labbrig wären. Dennoch, um ein Fünffaches besser als Chappi aus der Dose zu fressen. „An meine Familie?“, fragte Travor. Mit dem weißen Zeugs in seinen Haaren sah er lustig aus. Isabell verkniff sich einen Lacher. „Nee, an deine eigene. Ich meine, willst du keine gründen? Wenn du so weitermachst, wanderst du in den Knast und dein ganzes Leben ist im Eimer. Wenn du mich tötest, meine ich. Sie werden dich finden, Travor und den Rest deines Lebens hinter Gittern sperren. Ist es das wert? Bin ich es wert, dass du dein Leben wegschmeißt?“ „Nein!“ Travor sprach bedeutend lauter als vorher. „Du sicher nicht“, wollte er das Mädchen einschüchtern und es verletzen. Ebenso, wie sie ihm weh getan hatten. War er doch immer nur der Loser. Gehänselt und ausgegrenzt, weil er angeblich dumm wie drei Kilometer Feldweg wäre. Das tat weh. Oh ja, da war man genknickt und in seiner Ehre als Mann gekränkt. Diese Kränkung musste dann schnell an das nächste Opfer weitergegeben werden, um sich besser zu fühlen. Unter den Jungs hatte er wenigstens das Gefühl, vollwertig zu sein und er durfte sich wie zu Hause fühlen, wobei er längst eines besaß, in das er aber nur unter Widerwillen zurückkehrte und zwar dann, wenn die Nacht dem Tag wich. Wenn morgens in seiner Siedlungsstraße die Laternen aus- und die Sonne nahe dem Horizont aufging. Der ewige Streit mit seinen Eltern, das Nörgeln und Besserwissen seiner Schwester, diese Bitch, all das ging ihm so sehr auf die Eier, dass ihm die Worte fehlten, wie sehr er sie alle hasste, die sich seine Familie nannten. „Ich will keine Familie“, sagte er und es klang brachial. „Ich auch nicht“, sagte Isabell und schnippte die leere Fresstüte vom Tisch. Auf dem Boden zwischen all dem Dreck, den angefangenen Lebensmitteln und der Asche von den abgerauchten Zigarettenstummeln, fiel die Chipstüte gar nicht ins Auge. „Wir könnten ja zusammen verschwinden.“ „Wohin?“ Travor schien nicht desinteressiert, dennoch sah ernsthaftes Interesse an einer möglichen Zusammenarbeit anders aus. „Weiß nicht. Wir lassen uns treiben. Spüren den Wind in unserem Rücken und laufen dorthin, wohin uns die Füße tragen wollen.“ „Willst du mal das Haus sehen?“ Travor erhob sich von der Couch. Im TV lief jetzt Werbung. „Komm mal mit“, zog er Isabell an der Hand. Diese wusste seine Gastfreundschaft gleich zu schätzen und leistete keinen Widerstand. Sie schlenderten ohne besondere Absichten durch das Haus, einfach nur um zu gehen, in Bewegung zu bleiben. Wenn Travor in Bewegung blieb, würde er nicht auf die Idee kommen, dumme Sachen zu machen mit dem ihm anvertrauten Mädchen. Im Schlafzimmer der linken Seite schlug ihnen übler Gestank entgegen. Travor schaltete würgend das Licht ein und sie sahen die blutdurchtränkten Decken und Bettlaken. Wenigstens war die Leiche beseitigt worden. In der Ecke lag, wie ein unbeobachteter Fetzen, etwas, das an ein zerbröseltes Stück Kuchen erinnerte. Travor fiel ein, dass es sich um einen vertrockneten Streifen menschlicher Haut handelte. Ein anderes Zimmer stand komplett leer, während ein anderes nach Blut und grasigen Exkrementen stank. Hier waren die Tiere geschlachtet worden. Aber die waren jetzt alle tot. Sie müssten erst neue herschaffen um wieder schlachten zu können. „Willkommen in der Hölle“, schnaufte Travor. Er erinnerte sich an die letzten Schandtaten, die sie hier an Mensch und Tier vollführt hatten. David war es gewesen, der auf die Idee gekommen war, das letzte Mädchen so richtig elendig leiden, dafür aber anschließend laufen zu lassen. Dem Gör die Freiheit zu schenken und es ausnahmsweise einmal nicht zu skalpieren. Mädchen, die man in Todesängste versetzte, waren zu allem bereit, sogar zu etwas derart Perversem, dass es einem den Atem stockte, wenn man ihnen das heilige Leben versprach. Allerdings hatte David der Schweinehund, einige der versoffenen Rodefreunde zu der Party eingeladen und vorher ordentlich Dollars für die Vorführung kassiert. Geprahlt hatte er mit dem Mädchen, das Pferdesperma schluckte, wie eine Vollzeittrinkerin und ohne sich zu übergeben. Dazu brauchte es nur einen erfahrenen Cowboy, zwei Pferde- einen Hengst und eine Stute- sowie jemanden, der geschickt in der Fingerfertigkeit wäre, das Sperma aufzufangen. Es gab Frauen, denen hätte man die beträchtlichen Talente gar nicht zugetraut. Aus Gründen, die Travor nie wirklich verstehen würde, setzte das Kopfkino ab gewissen Szenen eine unabänderliche Priorität. Die Externalisierung des Akts- oder wie David es nannte, die Abspritzszene zum Beispiel. Die Platzierung des männlichen Ejakulats auf verschiedenen Aspekten des weiblichen Gesichts. Was sollte daran erregend sein? „Einen Engel ruinieren“, nannten es die Jungs. Beim menschlichen Spender gab es keine Probleme dieses Kunststück fertigzubringen. Aber das Sperma von einem Tier aufzufangen… da lag der Hase im Pfeffer begraben. „Muss es denn unbedingt Pferdewichse sein?“, hieß es. „Klar, die fließt literweise. Weißt du, wie viel Sperma so ein Gaul abdrückt, wenn er heißblütig ist?“ David hatte sich vor Lachen auf die Schenkel geschlagen. Travor erinnerte sich genau an diese verrückte Szene. „Eine Gießkanne voll, spritzt der Gaul ab“, hieß es. So war es dazu gekommen, dass ein sexwilder Hengst anstatt die rossige Stute bespringen zu dürfen, an seinem besten Stück mit der Hand eines Cowboys so lange und äußerst geschickt masturbiert wurde, bis das Tier sich in die unter den Schlauch gehaltene Gießkanne ergoss und sein Sperma absonderte. Sie hatten dem Mädchen zuvor gesagt, dass es sich die Kanne über das Gesicht zu halten hätte, um die Anwesenden auf ihre Kosten zu bringen. Dass die Braut jedoch so abgebrüht war, nicht nur den Inhalt über ihr Gesicht und die nackten Brüste, bis hinunter zur Muschi, rinnen zu lassen, sondern sie das trübe Ejakulat sogar noch mit der Zunge aufschleckte und genüsslich runterschluckte ohne mit der Wimper zu zucken, sie sogar obendrein noch aufreizend lächelnd in die Runde blickte, mit den Fingerkuppen das Sperma aufnahm und es in ihre Ritze massierte und genussvoll schmatzend, nahezu dankbar sagte: „Das mache ich doch gern für euch Wichser“, damit hatte niemand gerechnet. Dass sie anschließend in das verschimmelte Badezimmer eilte um sich zu übergeben, sei ihr verziehen. Dass die Mädchen gezwungen wurden, menschliche und tierische Exkremente zu essen, wollte Travor vor Isabell nicht erwähnen. Irgendwie war in der Zeit des fröhlichen Beisammenseins so etwas wie eine Freundschaft zwischen ihnen beiden entstanden und die wollte er mit seinen fäkalen Wortspielchen und anschaulichen Schweinereien nicht unbedingt aufs Spiel setzen. Hätte er gewusst, dass auch Isabell trotz seiner Zurückhaltung über ihn dachte, er hat sie nicht alle am Lattenzaun, er hätte sie womöglich mit dem Vorschlaghammer erschlagen oder zumindest ihre hübsche Fresse dem eines Plattfisches aus der Familie der Scholle, gleichgemacht.