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Disunited

„Ich bin Verena“, stammelte ich. „Ich weiß“, sagte sie betonungslos.
Wir blickten uns schweigend an.
„Setz dich wenigstens. Dann lässt es sich besser unterhalten. Wir müssen ja irgendwie über den Ablauf der Dinge sprechen.“
„Ja.“ Ich gehorchte.
„Also, du sollst Bestandteil der Show werden und willst es nicht. Das ergibt keinen Sinn. Außer, ich prügele es in dich hinein." Laila bückte sich. Neben ihrem Sessel lag der Baseballschläger, den ich bereits in der Aufführung gesehen hatte.
„Schönes Teil, was?“, lächelte sie aufreizend.
„Ja“, antwortete ich mechanisch.
„Mit dem Ding habe ich schon ganz andere Typen erzogen. Hilft immer.“
„Das, was du machst, machst du das gerne?“
„Leute mit dem Baseballschläger vertrimmen? Aber ja!“
Laila lachte. Das Eis zwischen uns schien zu brechen. „Nein, das mit der Show“, entlockte sie mir ein Grinsen.
„Och das, na ja…“
Schweigen.
„Bringt gut Kohle.“
„Du machst das nur wegen dem Geld?“
„Nein, nicht nur. Aber das ist eine lange Geschichte und es ist meine, die ich niemandem und dir schon gar nicht erzählen werde.“ Laila erhob sich wieder, stellte das Glas auf den Tisch und startete den CD- Player.
„Welche Art von Musik magst du denn?“, fragte sie beiläufig.
„Die mit den tiefgründigen Texten.“
„Oh, dann sollten wir vielleicht Beethoven einlegen.“
„Das war doch alles nur komponierte Klassik.“
„Ja, aber sehr tiefgründig. Beethoven hat immer dann am besten komponiert, wenn er entweder richtig depressiv, melancholisch oder besoffen war.“
„Woher weißt du das?“, fragte ich verblüfft.
„Wenn ich Zeit habe, lese ich schon mal.“
„Na, im Stern steht das aber sicherlich nicht
geschrieben, wann Beethoven seine besten Tage hatte.“ „Den lese ich auch nicht. Ich lese alte Bücher. Da lernt man richtig was.“
Laila gefiel mir immer besser. Kaum zu glauben, dass sie pervers sein sollte. Ich hatte ihre Show nicht gesehen. Vielleicht schlief sie gar nicht mit dem Wolf. Vielleicht war sie die, die mit dem Wolf tanzte?
„Woran denkst du gerade, Verena?“, unterbrach sie meine Tagträume.
„An den Wolf. Wo ist er überhaupt, der beste
Mösenschlecker?“ Wir lachten plötzlich beide. „Ja, der Ansager ist super. Der hat nur solche Sprüche auf Lager. Aber die Leute fahren voll darauf ab. Moema ist bei einem Freund von mir. Der hat ein großes Gehege. Ich kann ihn nicht hier in der Wohnung halten. Das wäre nicht artgerecht.“
Ich hatte soeben eines der Gläser in meine Hand genommen und an dem alkoholischen Getränk genippt, das mindestens 30 Umdrehungen hatte, als ich den Inhalt prustend wieder zurück spuckte.
„Du denkst an artgerechte Haltung, trittst aber mit ihm in der Show auf?“
„Ich denke, wir sollten nicht weiter darüber
reden.“ „In Ordnung.“
„Ich habe meine Ansichten und du hast deine. So kommen wir nicht zusammen. Wenn du liebst was du tust, kommt der Rest von ganz allein. Aber erst einmal musst du es lieben.“ „Du liebst also deine Arbeit?“
„Ich liebe meine Tiere.“
„Als Kind besaß ich einen Hund. Den habe ich auch sehr geliebt. Der Zuhälter meiner Mutter hat ihn mir weggenommen und in ein Tierbordell gegeben.“
„Das ist schrecklich.“ Laila klang sichtlich betroffen.
Sie stellte mich innerhalb nur weniger Minuten vor mehrere Rätsel, die ich nicht zu lösen glaubte. Weder jetzt, noch morgen und auch nicht an anderen Tagen. „Aber Moema arbeitet doch auch im Bordell.“
„Nein, nie im Leben würde ich diesen Schatz für so etwas Widerliches hergeben. Die einzigen die zusammenarbeiten, sind er und ich. Wir kennen uns in und auswendig.“ Laila prostete mir zu.
„Stimmt, wir sollten nicht weiter darüber reden“, sagte ich schnell und griff erneut nach dem Glas.